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Das Neue Palais in Potsdam

Andrea Sperling

„Gebt mir ein Museum, ich werde es füllen“ sagte schon Pablo Picasso. Picasso kann das Potsdamer Neue Palais nicht bieten, dafür aber spannende Geschichte für Jung und Alt. Mit seinen 250 Jahren ist das Schloss älter als die Entstehung der USA. Ein Gästeschloss mit Prunk und Protz, erbaut nach dem 7jährigen Krieg, als Preußen fast zu Boden lag und nur, durch den Tod der Zarin Katharina der Großen, den Sieg erringen konnte. Ihr Nachfolger Zar Peter III war ein großer Fan vom Preußenkönig und stieg aus dem Krieg aus. So blieb den anderen Ländern nur noch die Möglichkeit zu verhandeln. Friedrich II, Friedrich der Große, der Alte Fritz oder auch der Kartoffelkönig genannt, baute sich hier in Handarbeit und innerhalb von sieben Jahren seine Fanfaronade, seine Prahlerei. Immerhin wollte er allen beweisen, dass er zu Recht den Krieg gewonnen hatte. Gemogelt hat er an allen Ecken und Enden. Die Hausfassade ist nur aufgemalt worden und die Intarsien-Fußböden hauchdünn furniert. Doch die Gäste haben von alledem nichts bemerkt. Sie staunten über die Porzellanvasen aus Meißen oder das üppige Geschirr der KPM, der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin. Das Schloss wurde bis zur Kaiserzeit als Gästeschloss genutzt und ist in der unteren Etage bis heute noch so ausgestattet. Erlesene Gemälde von berühmten Künstlern und Kunsthandwerks des 18. Jahrhunderts können in ihrem originalen Zusammenhang live erlebt werden.
In der Kaiserzeit zog der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II, nebst Gattin in die Belle-Etage, den ersten Stock, ein. Das Speisezimmer mit seinen kostbaren Intarsien, Holzeinlegearbeiten, die üppigen Kronleuchter, das private Bad der Kaiserin mit Badewanne und Dusche oder ein Schlafzimmer aus der Zeit zeigen, wie man in der Kaiserzeit lebte. Es erwartet den Besucher der Grottensaal, der bis zur Kaiserzeit mit ca. 250.000 Muscheln, Schnecken, Mineralien, Korallen und Halbedelsteinen dekoriert wurde. Ein zwei-stöckiger hoher Marmorsaal mit kostbaren Inkrustrationen, Marmor-Einlegearbeiten im Fußboden, die die typischen Rocailles des 18. Jahrhunderts zeigen. An der Decke hängt Europas größtes auf Leinwand gemaltes Deckengemälde mit 240qm², welches uns in die Götterwelt der Antike einführt. Große Galerien, fürstlich ausgestattete Appartements sowie das barocke Schlosstheater runden den Besuch im Schloss ab. Das absolute Highlight ist die noch aus dem 18. Jahrhundert fast vollständig erhaltene Königswohnung von Friedrich II. Das kleine Appartement zählt aufgrund seiner prachtvollen Ausstattung zu den Höhepunkten friderizianischer Raumkunst und kann im Rahmen von Sonderführungen besichtigt werden. Wohlgefühlt hat sich Friedrich II in diesem Schloss jedoch nie. Viel zu protzig war es, halt eine Fanfaronade, eine Prahlerei.

© Text und Fotos: AS

 

 

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