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Isi unterwegs auf den Routen der Hanse und Wikinger…
Ein Stück in 10 Akte…

Isi
Der Ozean… unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2017. Dies sind die Abenteuer des alten Passagierschiffs Aida Cara, das mit seiner Mannschaft und den Gästen unterwegs ist, um fremde Länder zu erforschen, anderes Leben und unbekannte Zivilisationen. Viele Seemeilen von zu Hause entfernt dringt sie dabei in Gewässer vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Logbuch des Passagiers 0815 / Eintrag Nummer 5: St. Petersburg (Tag 1)

Vor diesem Eintrag im Logbuch habe ich mich fast gefürchtet. Obwohl wir gerade mal 2 Tage in St. Petersburg verbrachten, ist es ein fast unendliches Fass an ambivalenten Gefühlen, Eindrücken, Erlebnissen und Emotionen die dieser Ort hervorrief.
Die Geschichte der Stadt ist an sich noch nicht alt, denn St. Petersburg wurde erst 1703 von Peter dem Großen gegründet. Angeblich stach er mit seinem Säbel in das Sumpfland und sprach: ‚Hier soll bald eine Stadt stehen.' Gesagt getan …. allerdings sehr zu Lasten der Arbeiter, die zu Tausenden durch Hungersnöte, Seuchen, Unfälle und Entbehrungen während des Baus starben. Ziel war keine militärische Festung, sondern eine majestätische Metropole mit einem großen Hafen. Und eine Zeitlang wurde St. Petersburg sogar zur Hauptstadt Russlands ernannt. Nach dem Ersten Weltkrieg bekam die Stadt den Namen Petrograd und nach Lenins Tod wurde es zu Leningrad. Erst 1991 zum 300-jährigen Stadtjubiläum kam es wieder zum ursprünglichen Namen St. Petersburg.
Aber fangen wir doch mit dem Hafen und der Passkontrolle an.
Wir entschieden uns (was im Nachhinein sehr weise war) uns statt um ein Einzelvisum für Russland zu kümmern, für die geführten Ausflüge inkl. Gruppenvisum. Der Hafen liegt beim neuen Fußballstadion (für die WM 2018 erbaut) relativ weit von der Innenstadt entfernt. Ich konnte auch keine öffentlichen Verkehrsmittel in der Umgebung finden, so dass die erste Herausforderung wohl ist, wenn man St. Petersburg auf eigene Faust erkunden will, überhaupt vom Hafen weg zu kommen.
Halt! Die allererste Herausforderung ist tatsächlich erst mal die Passkontrolle. Wir lagen im neueren Hafen. Das Hafengebäude versprüht einen gewissen kommunistischen Charme. Farblos und minimalistisch. Vor einer Reihe kleiner Boxen, die mit einer streng drein schauenden, russischen Dame bestückt war, stellten wir uns in Reih und Glied auf und warteten darauf, einer nach dem anderen durch die Gesichtskontrolle zu kommen und den Stempel in unserem Reisepass zu erlangen. Ein Dobri den (guten Tag), Spasiba (Danke) und Dosvidanje (Auf Wiedersehen) meinerseits (für die richtige Schreibweise gebe ich keinerlei Garantien ab) entlockte der Dame tatsächlich einen nach oben zuckenden Mundwinkel. Könnte an meiner Aussprache gelegen haben …. oder an meiner unbeschreiblich positiven Ausstrahlung.
An unserem ersten Landgang standen die ehemaligen Zarenresidenz Peterhof am Plan, anschließend eine Fahrt mit dem Tragflächenboot ins Stadtzentrum, von dort aus nach einem Mittagessen zur Eremitage. Ein ambitioniertes Tagessoll… definitiv! Aber wer weiß wann wir wieder nach St. Petersburg kommen und vielleicht leben wir nur einmal? Und falls nicht… es sieht fast so aus als ob man sich an die vergangenen Leben nicht erinnert. Dann wäre unsere Existenz wie in 'Täglich grüßt das Murmeltier' und wir müssen alles immer und immer wieder erleben.
Ähm, ja … zurück nach St. Petersburg. Nach einer ausgedehnten Busfahrt von über einer Stunde erreichten wir Peterhof, auch das russische Versailles genannt. Innen kann man die Gemächer und prunkvollen Säle bestaunen, die Peter I. Anfang des 18. Jahrhunderts bauten ließ und sogar selbst mitarbeitete. Als Handwerker reiste Peter I. durch Europa und beschäftigte sich mit den verschiedensten Bau- und Handwerkskünsten, die er auch in Peterhof einfließen ließ. Um die originalen Parkettböden nicht zu beschädigen müssen Plastikschoner über die Schuhe gezogen werden. Fotografieren strengstens verboten in den Räumen. In jeder Ecke sitzt eine russische Oma, man fühlt sich ständig beobachtet … ich hatte tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben nicht das Bedürfnis verbotenerweise trotzdem eine Erinnerung aus der Hüfte zu schießen. Das aber wirklich Einzigartige und total Beeindruckende ist der Park mit seinen originellen Wasserspielen und Springbrunnen mit über 150 Fontänen, die unterirdisch über ein Rohrsystem verbunden sind und so durch ein natürliches Gefälle mit Wasser versorgt werden. Täglich um 11 Uhr heißt es ‚Wasser marsch' und mit klassischer, mächtiger Musik begleitet beginnt das Spektakel. Ich habe hierzu ein Video im weltweiten Netz gefunden:

Wird es euch schon zu viel mein Gelaber? Ja tut mir leid… der erste Tag St. Petersburg ist noch lange nicht zu Ende! Mit einem Tragflächenboot, mit einer Inneneinrichtung die mich kurzfristig mal in die 70er zurück katapultierte, schipperten wir zunächst über das Meer hinein auf den Fluss Newa, direkt in den Stadtkern von St. Petersburg, wo wir nach einer kurzen Busfahrt ins Gymnasium gingen… einem alten Schulkomplex, der zu einer richtig lässigen Eventlocation umgewandelt wurde (nachts Club, tagsüber edles Restaurant). Danach gings auf direktem Wege zur Eremitage. Von außen ein langgezogenes gelbes und grün-weißes Gebäude (dem Winterpalast) das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, von innen ein Labyrinth an Räumen und eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt! Ich und gefühlte weitere 10 Millionen Menschen wollten an diesem Tag die ca. 3 Millionen Objekte, die die Eremitage beherbergt, sehen. Da hätten wir archäologische Fundstücke, aber auch bedeutende Kunstwerke und Bilder von Rembrandt, Rubens, Picasso oder sogar Leonardo da Vinci. Auch darüber habe ich ein informatives Video gefunden:

Eigentlich hätte uns das Programm als Tagespensum nun bereits mehr als gereicht. Aber nach einem kurzen Zwischenstopp mit rein gestopftem Abendessen, machten wir uns nochmal auf, stellten uns nochmal an den Passkontroll-Boxen an, fuhren nochmal eine Stunde ins Stadtinnere und hatten dann für ca. 2 Stunden die Gelegenheit auf eigene Faust den Newski Prospekt (Prospekt ist abgeleitet von Perspektive und bei uns vergleichbar mit der Bedeutung des Wortes ‚Allee'), eine 4,5 Kilometer lange, stark befahrene Straße (6-spurig!!) auf- und abzugehen. Die Prachtstraße St. Petersburgs reicht vom Palastplatz bis zur Admiralität und ist gesäumt von mehr und auch weniger prunkvollen Gebäuden, sowie Palästen und Kirchen. Entlang der Straße findet man Büroräume, Cafes und Geschäfte, sowie Hotels und das älteste Kaufhaus der Stadt. Direkt vom Newski Prospekt aus sieht man in einer Seitenstraße die Blutskirche (Auferstehungskirche) - ein beeindruckendes, im Ikonenstil erbautes, mit Mosaiken bestücktes Gebäude, das erst seit 1997 wieder der Öffentlichkeit zugänglich ist. Wir haben es nur von außen betrachtet. Dann ging es 1 Stunde per Bus zurück zum Schiff.
Ein anstrengender und erlebnisreicher Tag nahm sein Ende. Vom Schiff aus konnte ich noch ein paar schöne Nachtaufnahmen vom beleuchteten Fußballstadion nehmen. Während der weißen Nächte im Juni gar nicht so einfach Nachtaufnahmen zu machen, sage ich euch!

To be continued!!!

© Text und Fotos: Isi

 

Isi-shooting

 

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