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Besuch bei den Rothirschen
oder im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau

Thurid Schmidt

Jedes Jahr im September ist bei den Rothirschen Brunftzeit. Der Wildpark Alte Fasanerie in Hanau bietet in dieser Zeit Brunftwanderungen an, um an diesem Schauspiel teilzunehmen.
Ich hatte die Gelegenheit an einer dieser Wanderungen teilnehmen zu können. Bevor wir zum Gehege der Rothirsche aufgebrochen sind, gab es erst einmal eine sehr informative theoretische Einführung über Hirsche allgemein. Untermauert wurde der Vortrag mit zahlreichen Bildern über einzelne Hirscharten. In einem Unterstand unweit des Geheges konnten wir unterschiedliche Geweihe bestaunen. So unterschiedlich wie die Geweihe sind, sind auch die Hirscharten. Weltweit gibt es 81 verschiedene Arten. Früher wurden diese unterschieden in Altwelthirsche und Neuwelthirsche. Heute unterscheidet man in Echte Hirsche, Trughirsche und Muntjaks. Dank Gentechnik ist die Zuordnung heute einfacher wie früher.

Der größte Hirsch ist der arktische Elch. Er wiegt bis zu 800kg. Die kleinsten Hirsche sind die Pudus mit 5,5kg. Sie leben in Südamerika.
Zu den Echten Hirschen gehören u. a. unsere Rothirsche, die Damhirsche und die Sikahirsche, die man im Wildpark Alte Fasanerie bewundern kann. Auch die in Amerika vorkommenden Wapitis gehören zu den Echten Hirschen.
Zur Familie der Trughirsche zählen u.a. das Reh, der Elch, das Rentier, Weißwedelhirsch und die Pudus.
Alle männlichen Hirsche schieben ein Geweih außer bei Rentieren. Dort schieben auch die weiblichen Tiere ein Geweih. Das Wasserreh z.B. hat kein Geweih. Dafür stark ausgebildete Eckzähne im Oberkiefer, die sie zur Abwehr und für Rangkämpfe benutzen. Es gibt Hirsche, die schieben Geweihschaufeln und Hirsche die schieben Geweihstangen. Elche schieben Geweihschaufeln, die beim
Alaskaelch bis zu 35 kg Gewicht betragen können.

Unser heimischer Rothirsch schiebt Geweihstangen. Bereits im ersten Lebensjahr schieben Hirsche ihr erstes Geweih, den Spieß, also nur 1 Stange. Diese jungen Hirsche werden Spießer genannt. Seine größte Geweihausbildung erfährt der Hirsch mit 10 bis 12 Jahren.
Nach der Brunft werfen Hirsche ihr Geweih ab. Bei den heimischen Rothirschen beginnt danach sofort wieder die neue Geweihbildung. Während das neue Geweih wächst ist es von der sogenannten Basthaut umgeben. Unter dieser Basthaut sind viele Gefäße und darunter wächst das Geweih. Die Wachstumsdauer beträgt bis zu 140 Tage. Das Geweih ist ein Knochen. Es wird vom körpereigenen Knochen Material abgebaut und in das Geweih eingelagert. Ist das Geweih fertig ausgebildet trocknet die Basthaut und wird von den Hirschen an Bäumen und Sträuchern abgerieben. Die Geweihbildung ist hormongesteuert. Hormone sorgen dafür, dass es wächst und nach der Brunft abgestoßen wird. Für die Brunft brauchen die Hirsche das Geweih. Die Brunft beginnt im September und dauert in freier Wildbahn bis Mitte Oktober. Im Wildpark ist sie Ende September vorbei.
Im Juli und August frisst der Hirsch sich noch einmal Fett an, weil die Brunft eine energiefressende Angelegenheit ist. Der Brunfthirsch muss seine Damen bewachen und kommt dadurch nicht wirklich zum Fressen. Ein Geweih ist ein sekundäres Geschlechtsmerkmal. Ein Hirsch, dessen Geweih während der Wachstumsphase verletzt wird und nicht richtig ausgebildet ist, hat kaum eine Chance gegen andere Hirsche in der Brunft zu bestehen und sich fortzupflanzen.
Wie erkenne ich z.B. einen Zwölfender? Ganz einfach. Jedes Geweih hat mehrere Enden. Die einzelnen Enden haben Namen. Augsprosse, Eissprosse, Mittelsprosse, Wolfssprosse und Krone. Alle Enden, die man deutlich erkennen und zählen kann werden gezählt. Hat ein Geweih z. B. 6 Enden auf jeder Seite spricht man von einem geraden Zwölfender. Hat das Geweih auf beiden Seiten eine ungerade Zahl spricht man von einem ungeraden Zwölfender. Die Anzahl der Enden lässt nicht auf das Alter des Hirsches schließen. Geweihgröße und Geweihform ist genetisch angelegt. Die Mächtigkeit eines Geweihes hängt mit der Ernährung zusammen.
Nach diesem sehr interessanten und umfangreichen Vortrag ging es zum Gehege der Rothirsche. Beim Gehege gibt es einzelne Stellen am Zaun wo man das Rotwild gut beobachten kann. Schon während des Vortrages konnte man die Brunftschreie des dominierenden Hirsches hören. Am Zaun angekommen sah man ihn immer wieder hin und her rennen und seine Herde hin und her treiben. Immer wieder waren Brunftschreie von anderen Hirschen zu hören. Der Brunfthirsch den wir antrafen hatte wohl in einem Kampf den bis dahin dominierenden jüngeren Hirsch vertrieben. Bis auf einen in sicherer Entfernung stehenden sehr jungen Hirsch ließ sich diesem Abend kein anderer mehr blicken. Dafür konnten wir miterleben, wie der stolze mächtige siegreiche Hirsch eine seiner Damen beglückte.
Lange verweilten wir an dem Zaun und beobachteten den Hirsch und seine Herde. Wir hofften, dass sich vielleicht Arthur blicken lässt. Er ist mit 17 Jahren der älteste Hirsch im Wildpark. Früher ein sehr starker und mächtiger Hirsch ist er heute stark zurückgesetzt und man sieht ihm sein Alter an. An der Brunft beteiligt er sich nicht mehr. Leider ließ er sich an diesem Abend nicht sehen. Erst nach Anbruch der Dunkelheit verließen wir den Wildpark.
Der Wildpark Alte Fasanerie beherbergt noch viel mehr Tiere. Er ist besonders bei Familien sehr beliebt. Dies war sicher nicht mein letzter Besuch und auch nicht mein letzter Bericht über diesen schönen Ort. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich, denn es werden immer wieder Veranstaltungen und Führungen angeboten.

https://www.hessen-forst.de/alte-fasanerie/

© Text und Fotos: T.S.

 

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