Regensburg...
...eine geschichtliche Exkursion
Ein Fan bin ich, ein Eingeborener und Reisender zugleich. Ich kenne meine Stadt und entdecke sie trotzdem jeden Tag wieder neu. Ich reise gerne in andere Städte und finde auch Gefallen daran. Doch wenn ich dann den Vergleich ziehe, hält einfach keine andere Stadt dem Charme und der Schönheit Regensburgs statt. Nicht zuletzt verdankt Regensburg das, was es heute ist, der Vergangenheit.
Wo fängt man nur an, wenn man die Geschichte dieser geschichtsträchtigen Stadt beschreiben will? Am Anfang, werden viele meinen. Nur mit dem Anfang ist es bei Regensburg so eine Sache.
Regensburg ist leicht zu finden auf einer Karte. Bewegt man sich mit dem Finger auf der Donau entlang, so ist sie gleich lokalisiert am nördlichsten Punkt des Flusses. Es ist somit nicht verwunderlich, dass schon aus Gründen des Transportes früh Besiedlungen stattfanden. Zur Zeit der Kelten gab es nachweislich eine Großsiedlung namens "Rataspona".
Den ersten dokumentierten Nachweis über Regensburg findet man zur Zeit der Römer. Und zwar aus dem Jahre 179 nach Christus. Kaiser Mark Aurel ließ an diesem nördlichsten Punkt der Donau ein Legionslager erbauen. Das Gründungsdatum lässt sich deshalb so genau feststellen, da glücklicherweise eine große steinerne Tafel mit einer Inschrift installiert wurde. Und diese Tafel ist bis heute erhalten und kann im Regensburger Historischen Museum besichtigt werden.
Regensburg blieb im zweiten Weltkrieg weitestgehend unzerstört. Ein großes Wunder und ein ebenso großer Glücksfall. Zeitzeugen dieser römischen Epoche sind also bis heute in der Regensburger Innenstadt zu sehen. Reste der alten Römermauer, der damaligen Stadtbegrenzung, sowie eines der Stadttore, das Porta Prätoria, sind bis heute recht gut erhalten. Ein Freilichtmuseum sozusagen ist Regensburg.
Im Laufe des 5. Jahrhunderts sind die Römer aus Regensburg verschwunden. Man muss es sich wie den Lauf der Zeit vorstellen. Die germanischen Söldner wurden nach und nach immer mehr, die Neueinwanderer in Regensburg kamen noch hinzu, der römische Anteil der Bevölkerung nahm dadurch immer rapider ab. Es war ein fließender Übergang, kein feindlicher Übergriff. Es verblieben noch einige Menschen am Ort, das Leben wurde mit dem Auszug der Römer deutlich einfacher, primitiver. Was leider auch zur Folge hat, dass relativ wenig schriftlich in dieser Zeit dokumentiert wurde. Wer denkt, damit wäre dann schon alles gesagt, der irrt sich gewaltig.
Wer die Geschichte Regensburgs detailliert niederschreiben möchte, muss ein Buch schreiben. Denn neben all den geschichtlichen Fakten, spielt in Regensburg auch die Ethnologie eine große Rolle. Viele Völker fanden im Laufe der vielen Jahrhunderte hier ihre Bleibe und vermischten sich mit den ortsansässigen Menschen. So kam es, dass Mitte des 6. Jahrhunderts plötzlich ein Stamm hier ansässig wurde, den man die "Bayern" nannte, oder besser die "Bajuwaren". Die "viri" aus "Baia", also die "Männer aus Böhmen". Man geht davon aus, dass die Bajuwaren nicht als Eroberer kamen, sondern friedlich und auch in nur kleinen Gruppen, die sich mit den Ortsansässigen vermischten.
Zeitgleich, bereits ab dem 4. Jahrhundert breitete sich das Christentum aus und erreichte auch Regensburg noch während es unter römischer Hand stand. Es war anfänglich noch eine Minderheit, zum Zeitpunkt des Rückzuges der Römer hatten sich die Christen jedoch ziemlich weit geformt. Es gab eine feste kirchliche Organisation und feste Riten. Das Christentum litt unter dem Rückzug der römischen Ordnung. So verrückt es klingen mag, das Christentum war stark mit der römischen Ordnung verbunden und profitierte von den stabilen Verhältnissen, welche jedoch mit der bunten Völkermischung in den Wirren der Völkerwanderung, der verschiedenen Glaubensrichtungen und der fehlenden führenden Hand mehr und mehr unterging. Ein kleiner Rest an Römern und Christen verblieb jedoch in Regensburg. Und genau diese Existenz einer Minderheit von Christen, durchsetzt mit christlichen wie auch heidnischen Bräuchen, war ausschlaggebend, dass Regensburg, damals die Hauptstadt von Bayern, christianisiert wurde. Einer von drei Missionaren in dieser Zeit war Emmeram.
Die Geschichte über Emmeram findest du rechts im grauen Kasten.

 

Hier noch ein Film über Regensburg:

Emmeram war ein Wandermönch. Auf seiner Missionsreise zur Verbreitung des christlichen Glaubens gelangte er Mitte des 7. Jahrhunderts über die Donau nach Regensburg, wo der damalige Herzog ihn zum Bleiben bewog. Und Emmeram blieb. Alsbald galt Regensburg als christianisiert und die Hauptstadt Regensburg wurde Bischofssitz. Manche der damals zu dieser Zeit errichteten Kirchen und Glaubenseinrichtungen stehen heute noch, wie beispielsweise die Alte Kapelle oder auch das Niedermünster, ebenso wie das Kloster St. Emmeram.
Emmeram wurde Bischof von Regensburg.

Emmeram pflegte ein gutes Verhältnis zur Herzogsfamilie. Auch zur Herzogstochter Ota. Diese war mit dem Beamten Sigibald befreundet und erwartete auch ein Kind von ihm. Die beiden vertrauten Emmeram ihr Geheimnis an.
Kurz darauf unternahm Emmeram eine Pilgerreise nach Rom. Auf seinem Weg gab er sich als Vater des unehelichen Kindes von Ota aus, um Sigibald zu schützen, den als Vater eines unehelichen Kindes furchtbare Strafen drohten.
Dies hatte schlimme Folgen für Emmeram. Noch auf seiner Pilgerreise ließ ihn der Bruder Otas fassen. Er wurde an eine Leiter gebunden, die Glieder wurden von den Fingerspitzen beginnend Stück für Stück abgehackt, die Augen herausgerissen und Nase und Ohren abgeschnitten.
Der Legende nach bat Emmeram, schon halbtot, nach etwas Wasser. Vitalis, der Diener Emmerams, fragte daraufhin weshalb er noch um Wasser bittet. Sollte er nicht besser den Tod herbeiwünschen?
Emmeram antwortete ihm, dass man nicht eilig dem Tod zustreben dürfe, vielmehr solle man ihn hinauszögern, um durch fromme Fürbitten das Antlitz Gottes gnädig zu stimmen. Letzenendes wurde Emmeram enthauptet.
Seine Unschuld wurde jedoch noch bewiesen, so heißt es. Denn aus dem Himmel wurde ihm eine Leiter herabgereicht und ein wundersames Licht ging von seinem Leichnam aus. Emmerams Leichnam wurde zur Herzogsburg nach Aschheim gebracht, ein Priester klärte den Herzog über das Geschehene auf und Emmeram sollte ein würdiges Begräbnis bekommen.
Indes regnete es an dem Ort des Maryriums 40 Tage ohne Unterlass und das bislang unfruchtbare Land wurde wieder fruchtbar. Ein Schiff trieb auf den Fluten der Isar heran und Emmerams Leichnam wurde auf das selbige gelegt. Mit schier unglaublicher Geschwindigkeit trieb das Schiff nach Regensburg, wo Emmeram begraben wurde.
Tatsächlich wurde Emmeram zunächst in Aschheim begraben. Nachdem der Herzog jedoch die Wahrheit erfuhr, wurde der Leichnam exhumiert und nach Regensburg überführt, wo er in der Kirche St. Georg vorerst seine letzte Ruhe fand. Später wurde der Leichnam in die Gruft der späteren Abtei St. Emmeram übertragen. Die darüber erbaute Kirche wurde Emmeram gewidmet.
Unter Emmerams Einfluss, noch zu seinen Lebzeiten, wurde direkt neben dem Niedermünster ein Damenstift gegründet, das es noch heute gibt. Das Niedermünster ist heute, neben einem Damenkloster "der armen Schulschwestern", eine renommierte Mädchenrealschule.
Unterhalb der Klostermauern wurden, während Renovierungs- arbeiten, alte römische Mauern gefunden, man geht von einem römischen Lager aus. Das Dokument Niedermünster, wie es genannt wird, kann unter Voranmeldung besichtigt werden.

 

Teil II

Wir schreiben mittlerweile das Jahr 700 nach Christus und Regensburg ist weitestgehend christlich. Regensburg war Herzogssitz. Der damalige Herzog Tassilo III. wurde vom fränkischen König (bald Kaiser) Karl dem Großen abgesetzt und sein Bayern in das fränkische Reich mit eingegliedert. Im nach hinein ein großer Glücksfall. Denn Regensburg wurde dadurch von der Herzogsstadt zur Königs- und Kaiserstadt ernannt. Karl der Große fand eine voll funktionsfähige Residenz vor, die er auch rege nutzte um weiter in den Osten vorzudringen. Regensburg bot den idealen Ausgangspunkt dafür. Regensburg gewann in den adligen Höfen immer mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung und in den folgenden Jahren residierten immer wieder die führenden adeligen Personen, Könige und Kaiser, in Regensburg. Viele Geschichten Regensburgs ranken sich um dieses Thema. Viele wahre Geschichten, aber auch viele Märchen. Und viele dieser Geschichten sind mit den zahlreichen alten Gebäuden der Altstadt verbunden.
Nicht alle geschichtsträchtigen Gebäude sind für Jedermann öffentlich. In vielen jedoch ist man herzlich eingeladen einzutreten.
Regensburg hat nicht nur einige Museen zu besichtigen - nein, Regensburg IST ein Museum. Nahezu jedes Cafe, Restaurant, Geschäft oder Hotel befindet sich in altem Gewölbe.
So verhält es sich auch mit dem Dollinger Saal. Er ist recht leicht zu finden am Rathausplatz, direkt in den Untergeschossen des Rathauses, und lockt mit Gaumenfreuden. Es befindet sich nämlich ein Restaurant darin, der Ratskeller.
Den Namen Dollinger Saal verdankt das Gewölbe einer Regensburger Sage, die über Jahrhunderte mündlich überliefert wurde. Ob es sich tatsächlich so zutrug? Wer kann das schon wissenů.
Um das Jahr 930 fielen die Ungarn in Bayern ein. Ein besonders kräftiger und großer heidnischer Ritter, er hieß Krako, forderte die Regensburger Ritterschaft zu einem Zweikampf heraus. Der damalige König Heinrich I konnte keinen seiner ach so tapferen Ritter dazu bewegen, diesen Zweikampf gegen diesen Koloss anzunehmen.
Es war ein ganz anderer, der sich diesem Zweikampf stellte. Es war ein Regensburger Bürger mit dem Namen Hans Dollinger.
Hans hatte sich etwas zu Schulden kommen lassen und saß im Kerker. Durch den Kampf sah er seine Chance den Strafen zu entkommen und frei zu kommen.
Der Tag des großen Kampfes war gekommen. Dollinger ging zur Kirche Niedermünster und betete am Grab des Heiligen Erhard und begab sich dann auf den Haidplatz, wo das Turnier stattfinden soll.
Krako war ein übermächtiger Gegner und es gelang ihm, den tapferen Dollinger zweimal mit der Lanze vom Pferd zu stoßen. Hans war wohl mit einem Zauber belegt, denn er glaubte drei Gegner vor sich zu haben und stach folglich auch immer ins Leere. Der Kampf war schon fast verloren als König Heinrich dem am Boden liegenden Dollinger ein Kreuz an die Lippen legte. Und plötzlich war der Zauber gebrochen, Hans konnte wieder klar sehen und mit neuem Mut und Kraft ging er auf Krako zu und traf ihn an der Stirn! Dieser sank vom Pferd und starb.

Im 11. und 12. Jahrhundert stand Regensburg zweifellos in ihrer Blüte. Die Stadt war quasi die Zentrale Bayerns und ein ebenso wichtiger Standort im gesamten deutschen Reich. Prominente Gäste waren Alltag und die wichtigste Politik wurde hier gemacht. Regensburg wurde auf eine Stufe mit Städten wie Athen und Rom gestellt. Kunst und Wissenschaft, Politik - Regensburg leuchtete! Diese Blüte war jedoch von fremdem Glanz, geprägt von den Herzögen und Kaisern die sich allesamt einfanden und alles was Rang und Namen hatte nach sich zog. Allmählich bekamen die Regensburger mehr und mehr ihr Selbstbewusstsein. Die Regensburger Oberschicht begann die Geschicke der Stadt immer stärker selbst in die Hand zu nehmen. Es war ein langsamer Prozess, der vermutlich keinem so richtig bewusst war. Regensburg wurde mit zunehmender Zeit von einer fremdgesteuerten Stadt zu einer eigenständig handelnden Metropole.
Regensburg wurde, geleitet durch die eigene Oberschicht, immer präsenter im Handelsgeschäft, die Stadt war in Kürze ein wichtiger Handelsplatz, im weiteren Zeitverlauf wurde sie gar zu einem Handelszentrum. Regensburg war quasi konkurrenzlos. Die Lage direkt an der Donau ermöglichte nahezu grenzenlose Handelswege bis und über das Schwarze Meer. Von dort waren die Wege in den Norden, sowie den Osten offen. Insbesondere der Osten, genauer der damals wichtige Handelsknotenpunkt Konstantinopel (heutiges Istanbul) war dabei interessant, da dort Handelsware aus China und Indien bezogen werden konnte. Regensburg wurde zum Umschlagplatz für damalige Luxuswaren, wie Gewürze und Seide. Der Wohlstand der durch die Handelsgeschäfte in Regensburg einzog war rasant schnell, sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung und Reichtum einiger weniger Familien. Aus diesen neureichen Handelsfamilien stieg die neue Oberschicht empor, die Patrizier. Noch heute sind die Familiennamen in Regensburg präsent, denn die Patrizier taten alles dafür, dass ihr neuer Reichtum auch nach außen hin gut sichtbar ist. So wurden imposante Gebäude gebaut die bis heute zu sehen sind und ihren alten Namen tragen, wie zum Beispiel das Runtingerhaus. War Regensburg bereits einmal von Italien geprägt durch die Römer, so fand es jetzt ein zweites Mal statt. Durch Handelsreisen nach Italien war der dortige Baustil bekannt und wurde durch die Patrizier gerne übernommen. Eine Nachahmung war der Bau der sogenannten Geschlechtertürme. Je höher der Turm, desto reicher die Familie.

In dieser Zeit, in der Zeit des Reichtums und Überflusses, wurde das heutige Stadtbild geprägt. Regensburg wuchs und wuchs, und aus der Hauptstadt Bayerns wurde Weltstadt mit Menschen aus aller Herren Länder. Wir befinden uns im 12. Jahrhundert, Regensburg ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Größer war zu dieser Zeit lediglich Köln.
Ein kleines Weltwunder könnte man sie nennen, auf jeden Fall jedoch ein Meisterwerk der damaligen Baukunst.
Die Steinerne Brücke zu Regensburg. Vermutlich wurde sie zwischen 1135 und 1146 erbaut und gilt neben dem Dom St. Peter als DAS Wahrzeichen der Stadt. Sie verbindet die durch die Donau getrennten Stadtteile Stadtamhof und die historische Altstadt.
Zur damaligen Zeit hatte die Steinerne Brücke einen unermesslichen Wert. War sie doch für mehr als 800 Jahre die einzige Donaubrücke in Regensburg und überhaupt eine der wenigen Möglichkeiten die Donau trockenen Fußes zu überqueren.
Viele andere große Steinbrücken orientierten sich an dieser Regensburger Brücke, so zum Beispiel in Dresden, in Prag, in London oder auch in Avignon.
Es ist erstaunlich in welch guter Verfassung die Steinerne Brücke bis heute ist. Es handelt sich um eine sogenannte Steinbogenbrücke, mit 14 Bögen. Die Pfeiler sind aus Eichenstämmen gemacht und ruhen auf einem Kiesbett am Grunde der Donau.
Die Brücke blieb über die vielen Jahre hinweg fast unversehrt und unverändert. Nur wenige kleine Schäden musste sie über sich ergehen lassen. Ein Wunder, wenn man bedenkt wie viele Kriege und schicksalshafte Jahre diese Brücke bereits auf dem Buckel hat.
Fast hätten wir Menschen es mit unserem Fortschritt geschafft, dieses Wunder doch noch in die Knie zu bezwingen. Bis vor ein paar Jahren war die Brücke noch für den PKW Verkehr offen. Dann vor ein paar Jahren wurde die Brücke für den privaten Gebrauch gesperrt und nur noch dem öffentlichen Verkehr bereit gestellt, bis dann 2008 die komplette Sperrung für sämtliche Fahrzeuge erfolgte. Eine dringende Maßnahme zur Erhaltung dieses Baudenkmales.
Und wenn sie mich fragen, als gebürtigen Regensburgerů es hat viel mehr Charme. Kommen sie an einem warmen Sommerabend in unsere Stadt. Bummeln sie über die Steinerne Brücke, durch das Stadttor neben dem Brückturm und dem Salzstadel, geradewegs in die historische Altstadt. Sie werden kaum etwas Schöneres finden. Nicht umsonst heißt es "Regensburg ist die nördlichste Stadt Italiens".

 

Teil III

Wie so oft, wenn Reichtum regiert, kam es auch in Regensburg zu Konflikten. Ungewöhnlich war nur, dass es kein Konflikt zwischen Oberhaupt und Bürgertum war, sondern die Staatsherren untereinander hatten Diskrepanzen. Die Bürger waren in dieser Sache sogar eher die Nutznießer. Es wurde geradezu um ihre Gunst gebuhlt. Die Bürger Regensburgs erreichten dadurch immer mehr Rechte und Privilegien und der Schritt zur kompletten Selbständigkeit Regensburgs war damit nicht mehr weit. Das Sagen hatten damals mehrere Personen gleichzeitig, Der Herzog, der Bischof, der König und der Kaiser. Statt einem Gemeinsam wurde ein Gegeneinander und Regensburg geriet Ende des 12. Jahrhunderts aus dem Gleichgewicht. Staatsherren wurden installiert und gleich wieder abgesetzt. Jede der Parteien wollte sich etablieren und die Fäden ziehen. 1245 eskalierte das ständige Auf und Ab und Regensburg wurde zur freien Reichsstadt ernannt. Von nun an unterstand sie lediglich nur mehr dem Kaiser und verwaltete sich und regierte eigenständig.

Über den Bau der Steinernen Brücke und des Baus des Domes existiert eine in Regensburg sehr bekannte Sage.
Wie es so ist, entwickelten sich über die vielen Jahre verschiedene Nuancen in der Erzählung der Sage. Ich erzähle es so wie ich es als erstes hörte.

Der Baumeister der Steinernen Brücke und der des Doms haben eine Wette abgeschlossen, wer wohl zuerst sein Bauwerk fertig gestellt haben wird.

Mit Sorge beobachtete der Brückenbaumeister, dass der Bau des Doms viel zügiger voranging, als der seines eigenen Bauwerkes.

Kurzerhand ging der Brückenbaumeister einen Pakt mit dem Teufel ein und versprach ihm die ersten drei Seelen, die über die fertige Brücke gehen würden, wenn ihm der Teufel nur zum Sieg verhelfe.

Der Teufel ging darauf ein und die Brücke wuchs und wuchs und war in Windeseile fertig gestellt.

Der Dombaumeister konnte es nicht verstehen wie es angehen konnte, dass die Brücke mit einem Male in so rasanter Geschwindigkeit fertig war. In seiner Verzweiflung stürzte er sich vom Gerüst herab.

Der Brückenbaumeister sperrte die Brücke sofort nachdem sie vollendet war, damit kein einziger Mensch sie überqueren konnte.

Der große Tag der Einweihung und Eröffnung der Brücke nahte. Der Teufel malte sich bereits aus, welch wertvolle Seelen wer wohl bekommen würde. Darunter vielleicht die des Bürgermeisters oder gar des Pfarrers?

Der Brückenbaumeister war sich diesem bewusst und bereute seinen Pakt zu tiefst. Da kam ihm eine Idee! Noch bevor eine der berühmten Seelen die Brücke betreten konnte, trieb er schnell einen Hund, einen Hahn und eine Henne darüber. Diese nahm der Teufel in Empfang. Nebenbei ist das zugleich die Bestätigung, dass auch Tiere Seelen haben.

Der Teufel war über diese List so verärgert, dass er aus Wut die Brücke zerstören wollte und mit aller Kraft auf sie einschlug. Die Brücke war jedoch so gut und stabil gebaut, dass es ihm nicht gelang. Lediglich einen Buckel hat sie bekommen, den man noch heute sehen kann. Vor Zorn stürzte sich der Teufel in die Donau, und seit diesem Tag sind dort bis heute die berühmten Strudel im Fluß zu sehen.

Den Brückenbaumeister kann man heute noch in der Mitte der Brücke sehen. Als "Bruckmandl" hält er immer noch Ausschau in Richtung Dom um den Fortschritt des Baues zu beobachten.

Tatsächlich war die Brücke schon lange fertig gestellt als mit dem Bau des Domes begonnen wurde.

Mit dem Bau des Domes wurde um 1273 begonnen. Es war ein Prozess über viele Jahrhunderte. Die Vollendung wird ca. auf das Jahr 1870 zurückgeführt. Ein imposanter Bau, dessen Türme majestätisch in den Himmel ragen und ein Wahrzeichen der Stadt ist.

 

Teil IV

Jeder Aufschwung zieht irgendwann eine Rezession nach sich. Regensburgs Rezession begann schleichend ab dem 14. Jahrhundert, kaum merklich anfangs, dann jedoch immer deutlicher und schnell. Ende des 15. Jahrhunderts hatte die Stadt echte wirtschaftliche Schwierigkeiten, was die verwöhnte Regensburger Bevölkerung völlig überforderte. Der Grund für den Abschwung war recht eindeutig. Neugegründete Städte in der näheren Umgebung, wie Nürnberg, München oder Landshut, brachten Regensburg um ihre monopolhafte Stellung im internationalen Handel. Auch wandelte sich die Nachfrage von Luxusgütern hin zu Massengütern, was die Regensburger, mehr mit ihrem Reichtum als mit den Geschicken des Handelns beschäftigt, schlichtweg verschliefen oder vielleicht "verfeierten". Ein weiterer Aspekt war die Tatsache der freien Reichsstadt. Was zunächst ein Segen war, wurde zum Fluch. Dem Kaiser direkt unterstellt, blieben nämlich viele reiche Gäste, wie der Herzog oder König und seine Gefolgschaft, fern. Zu allem Übel kam noch hinzu, dass die Türken Konstantinopel eroberten und damit die Handelsroute zu asiatischen und indischen Gütern nicht mehr offen war. Die Türken waren Erzfeinde, ein Handel mit ihnen undenkbar. Regensburg war bereits am Ende, da wurde auch noch die freie und durchgehende Nutzung der Donau gesperrt. Amerika wurde entdeckt und der Handelsmittelpunkt war fortan der Westen. Der Glanz Regensburgs verblasste.

Die Folgen waren fatal. Das einst blühende Regensburg stagnierte. Das Stadtbild veränderte sich vom 14. bis ins 19. Jahrhundert kaum. Noch während der wirtschaftlichen Hochphase wurde im 13. Jahrhundert mit dem Bau des Doms begonnen. Dieser musste im 16. Jahrhundert eingestellt werden.

Die Stadt war geschwächt und verarmt, Rechte, Titel und Besitz wurden verpfändet. Der damalige Herzog von Bayern sah darin seine Chance die Stadt zurück zu erhalten und löste die Pfänder allesamt aus. Damit war rund um die Stadtmauern alles in herzoglichem Besitz. Auch Titel erwarb der Herzog und konnte somit die Geschicke der Stadt wieder mitbestimmen. Der Druck auf Regensburg war damals groß, so groß dass sie auf die Freiheitsreichte verzichtet hätten um wieder unter dem Herzog zu stehen. Dies ließ jedoch der Kaiser nicht zu. Und so kam es, dass innerhalb der Stadt der Kaiser regierte und außerhalb der Stadtmauern alles in herzoglicher Hand war. Nahezu unerträgliche Verhältnisse, denn außerhalb der Stadtmauern fing damit "feindliches" Gebiet an. Der Herzog, verärgert, wusste es den Regensburgern schwer zu machen in dem er die Stadt schikanierte mit beispielsweise überhöhten Zöllen. Vor den Stadtmauern, auf der anderen Seite der Steinernen Brücke stand mittlerweile eine herzogliche Stadt, die Stadt am Hof, die bis heute erhalten ist und mittlerweile ein beliebter Stadtteil Regensburgs ist.

Die Stadt befand sich in der größten Krise ihrer Geschichte. Eine logische Konsequenz der Unzufriedenheit waren Unruhen zwischen den einzelnen Schichten der Bewohner. Es wurde ein Mittel gesucht, von den ganzen politischen Unruhen abzulenken. Der Sündenbock wurden die Juden. Bislang war es in Regensburg für die Juden angenehm zu leben, über Jahrhunderte hinweg konnten sie weitestgehend unbehelligt dort leben. Das hatte ein jähes Ende, denn die Juden wurden fortan vertrieben, ihre Häuser und Synagoge zerstört. Der absolute Tiefpunkt Regensburgs war erreicht. Neben der wirtschaftlichen Krise kam nun die moralische noch dazu.

Im 16. Jahrhundert endlich stabilisierten sich die Verhältnisse in Regensburg wieder. Die Stadt hatte den Scharm, den Wohlstand und den Glanz alter Zeiten komplett verloren. Was jedoch die damaligen Verhältnisse im gesamten Deutschen Reich widerspiegelte. Ein wunderbarer Nährboden für Neuerungen. Es war die Zeit der Reformation. Martin Luther veröffentlichte seine Thesen zur Erneuerung der Kirche, was damals die ganze Nation in zwei Lager spaltete. In Regensburg hielt der neue Glaube recht früh Einzug, und im Jahre 1542 wurde Regensburg evangelisch. "Pur evangelisch" war fortan die Stadt, jedoch nicht ihre Bürger. Erneute Unruhen, diesmal auf die Säulen des Glaubens zurückzuführen, machten sich in der Stadt breit. Bis es im 17. Jahrhundert zur Gegenreformation kam. Diese endete in den Anfängen des dreißigjährigen Krieges. Die Stadt wurde in diesem Krieg zweimal erobert, zuerst von den Schweden, danach wieder von der kaiserlichen Armee. Die Schäden dieser Schlachten waren beträchtlich.

Das Haus "Goldenes Kreuz"
Liebesgeschichten gibt es ja wie Sand am Meer. Und schön sind diese Geschichten alle Mal. Die Liebesgeschichte die ich nun erzähle ist nicht nur schön, sondern auch folgenschwer für die Geschichte.

Im Jahre 1527 erblickte die Tochter des Gürtlermeisters Wolfgang Plumberger in Regensburg, in der heute noch existierenden "Kramgasse", das Licht der Welt. Barbara, wie sie hieß, wuchs zu einer Schönheit heran, so schön, dass man ihr den Spitznamen "Schöne Barbara" gab.
Als Kaiser Karl V im Sommer des Jahres 1546 anlässlich des Reichstages in Regensburg, im Hotel Goldenes Kreuz, weilte, lernte er das Mädchen kennen.
Der Kaiser verfiel der Schönheit und Barbara war ihrem Kaiser auch nicht abgeneigt. Zwischen Barbara und Karl entwickelte sich eine stürmische, wenn auch nur kurze Romanze.
Wie bereits eingangs erwähnt, hatte diese Affäre Folgen. Die "Folge" kam am 24. Februar 1547 in Regensburg unter dem Namen Johann Hieronymus zur Welt.
Der Kaiser erkannte seinen Sohn nicht an. Jedoch durfte Johann auch nicht bei seiner Mutter bleiben, sondern er ließ ihn unter dem falschen Namen "Geronimo" nach Spanien bringen. Er wuchs bei einer Dienstbotenfamilie des Kaisers auf.
Der Kaiser erkannte Zeit seines Lebens Johann nicht als seinen Sohn an. Als jedoch der Kaiser starb, führte König Philipp II (leiblicher Sohn des Kaisers) als spanischer Thronfolger seinen Halbbruder am Hofe unter dem Namen Don Juan de Austria ein. Denn so hatte es der Kaiser in seinem Testament verfügt.
Don Juan genoss fortan die Vorteile eines Adligen und studierte an der hohen Schule.
Er wurde zum Befehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte und zog für sein Land und seinen König in den Krieg. Mitte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde durch den Vatikan die "Heilige Liga" gegründet. Eine Flotte, die im Namen des Papstes gegen das Osmanische Reich eingesetzt wurde. Und der junge Don Juan wurde mit nur 24 Jahren der Oberbefehlshaber dieser gigantischen Flotte und zog siegreich in die Seeschlacht von Lepanto.
Triumphierend kehrte Juan zurück. Die Kriegsbeute die ihm zustand, überließ er den Verwundeten.
Er führte noch weitere Schlachten an, die bei Lepanto sollte jedoch sein größter Erfolg bleiben. Weitere Schlachten wurden ihm durch seinen Halbbruder, König Philipp, untersagt. Ebenso wie die Hochzeit mit der schottischen Königin Maria Stuart.
Philipp hatte andere Pläne mit seinem Halbbruder. Er sollte die Statthalterschaft in den Niederlanden übernehmen, da dort die Lage prekär war. Nach dem Tod des bisherigen Satthalters drohte die Situation dort zu eskalieren. Don Juan ließ sich überreden und nahm die Aufgabe an. Sein Weg sollte ihn jedoch nicht direkt zu den Niederlanden führen, sondern zunächst nach Luxemburg.
Dort wurde ein Treffen mit seiner Mutter, der schönen Barbara Blomberg, organisiert. Dieses Treffen sollte das einzige bleiben.
Barbara, zu dieser Zeit bereits Witwe und Mutter von drei weiteren Kindern, lebte inzwischen in Brüssel. Der Vater der Kinder, ein kaiserlicher Beamter namens Hyronimus Kegel, brachte nach seinem Tod seine Familie in finanzielle Schwierigkeiten. König Philipp jedoch gewährte Barbara einen großzügig bemessenen Unterhalt und verschaffte ihr so eine angesehene gesellschaftliche Stellung. Natürlich wurde von ihr eine Gegenleistung erwartet. Philipp forderte, dass sie in ein spanisches Kloster übersiedeln solle. Barbara jedoch wollte ihr freizügiges Leben nicht aufgeben.
Was in dem Treffen zwischen Barbara und Don Juan geschah, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass Barbara daraufhin zustimmte und in das Kloster ging.
Don Juan konnte sich politisch einigen und etablieren und zog gegen 1577 in Brüssel ein. Zu dieser Zeit war er bereits krank. Mit nur 31 Jahren verstarb er - wahrscheinlich an Typhus.

Nach dem Tod ihres Sohnes, gewährte Philipp, Barbara freie Wahl über ihren Wohnsitz. Und Barbara wählte ein Landgut in Spanien, das sie gemeinsam mit ihren Kindern und ein paar Bediensteten, bewirtschaftete. Madame Barbara de Blombergh, wie man sie dort nannte, führte wieder ihr unabhängiges Leben und verstarb im Alter von 70 Jahren auf ihrem Landgut.
1572 wurde Don Juan für seinen Sieg in Lepanto ein Denkmal gesetzt, das in Messina steht (von dort stach die Flotte gegen das osmanische Reich in See).
Eine Kopie dieser Statue steht seit 1978 auch in Regensburg.
Das Haus "Goldenes Kreuz" gibt es noch heute und seit kurzem ist dort auch wieder ein Hotel eingerichtet.
Zur Erinnerung an diese Liebesgeschichte steht an einer Hausmauer geschrieben:


"In diesem haus von alter art
Hat offt geruet nach langer fahrt
Herr KAYSER CARL DER FÜNFFT genandt
In aller Welt gar wohl bekannt
Der hat auch hie zu gueter stundt
Geküsset einer jungfraw mundt

Dann draus erwuchs dem Vatter gleich
Der DON JUAN VON OESTERREICH
Der bei LEPANTO in der Schlacht
Verncihtet hat der Türckhen Macht
Der HERR vergellts ihm allezeit
So ietzt wie auch in Ewigkeit.

 

Teil V

Ende des dreißigjährigen Krieges sollte Regensburg wieder einen Aufschwung erleben. Noch immer freie Reichsstadt, wurde hier der "Immerwährende Reichs- tag" installiert. Der Sinn dieser Institution war simpel. Die verschiedenen Partei- en, wie Kaiser, Fürsten und andere Oberhäupter setzten sich bei Bedarf zusam- men um in bestimmten Themen zu einem Konsens zu kommen. Regensburg war
ideal für den Reichstag, denn es war groß genug und bot aus- reichend Platz und die Annehm- lichkeiten die für die prominenten Personen benötigt wurden, und es war freie Reichsstadt. So be- kam Regensburg endlich wieder eine Rolle zugewiesen. Ein Stück des alten Glanzes kehrte in die Stadt zurück, war er auch nur ein äußerlicher Schein, nicht aus eigner Kraft, sondern durch die vielen reichen und prominenten Gäste. In dieser Zeit tauchte erstmals der Name Thurn und Taxis in Regensburg auf. Der Fürst wurde als sogenannter Prinzipalkommisar installiert. Prinzipalkommisare waren Gesandte des Kaisers, mit der Aufgabe seinen Kaiser machtvoll darzustellen. Regensburg wurde abermals zum Zentrum des kulturellen und politischen Geschehens.

Dies sollte ein jähes Ende haben. Denn im Laufe des 18. Jahrhunderts löste sich das Reich auf. Und damit auch der Glanz der in Regensburg Einzug gehalten hatte. Die Französische Revolution begann und mit ihr die Kriege in Europa. Die Front erreichte einmal sogar fast Regensburg. Aus Panik flohen die Reichsgesandten, das florierende Leben brach erneut zusammen. Im Jahr 1800 gelang es den Franzosen, die Stadt Regensburg zu erobern. Regensburg war am Ende, wirtschaftlich und moralisch. Kurz darauf hin wurde Frieden geschlossen. Frankreich hatte den Krieg gewonnen und dehnte ihre Grenzen gen Osten aus. Viele Fürsten verloren dadurch ihr Eigentum. Der immerwährende Reichstag in Regensburg wurde wieder ins Leben gerufen und es kam zu Verhandlungen mit den geschädigten Fürsten. Ergebnis war der sogenannte "Reichsdeputationshauptschluss". Es bedeutete, dass alle kleinen selbständigen Territorien innerhalb des Reiches liquidiert wurden. Darunter Fürstentümer, Klöster, Stifte, Grafschaften und so weiter. Aus der Masse sollten sich dann die Fürsten bedienen und ihren Anspruch erheben. Regensburg wurde zerschlagen und liquidiert, mit drei Klöstern und der freien Reichsstadt. Nun könnte man den- ken, die Masse fiel dem Fürsten von Bayern zu, als einer der Fürsten die Ansprü- che geltend machen. Nein, es kam anders. Regensburg wurde, zusammen mit den daneben existierenden Obrigkeiten, zu einem Fürstentum ernannt, zu einem eige- nen kleinen Staat. Erneut ein Glücksfall für Regensburg. Denn der neue Herr, Karl Theodor von Dalberg, erkannte bald den Stillstand und die Rückständigkeit der Stadt aufgrund der langen wirtschaftlichen Krise. Ein

Neubeginn war nötig und Regensburg war unter der Hand von Dalberg bald nicht wieder zu erkennen. Er reformierte die Bürgerrechte, erstellte einen Schuldentilgungsplan, ergriff Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft, installierte soziale Einrichtungen für die Ärmsten und Krankenhäuser für die Kranken. Auch kulturell wurde einiges getan, zum Beispiel wurde ein großes Theater erbaut. Mit Auflösen des immerwährenden Reichstages kam jedoch erneut ein Problem auf. Denn mit der Auflösung zogen alle Gesandten und mit ihnen das Geld ab. Dalberg konnte den Fürsten von Thurn und Taxis überreden, in Regensburg zu bleiben, mit samt seiner Gefolgschaft und der Hofhaltung.

In einer wichtigen Stadt durften natürlich alle Sinne auf ihre Kosten kommen. Es war logisch, dass Regensburg mit allen Trends ging und modisch und schick war. Der Handel mit den fernen Ländern brachte jede Menge Reichtum und auch Ideen und Bräuche mit. So auch den Brauch des Kaffee trinkens.

Die schwarze Bohne war große Mode!
Und die ersten Kaffeehäuser wurden im deutschsprachigen Raum eröffnet - In Wien 1683 und Regensburg zog bereits 1686 nach.
Das Kaffeehaus Prinzeß befindet sich noch heute an seinem ursprünglichen Standort, direkt gegenüber dem alten Rathaus. Bereits die Gesandten des immerwährenden Reichstages naschten die köstlichen Pralines und tranken den duftenden Kaffee oder Tee aus diesem Hause.

Heute ist der Genuss dieser Köstlichkeiten kein Privileg der Adligen mehr. Das Cafe mit Confiserie ist eines der ältesten Kaffeehäuser Deutschlands. Wer die Gelegenheit hat, sollte unbedingt die handgemachten Pralinen versuchen und dem Cafe einen Besuch abstatten. Denken Sie nur einmal darüber nach, welch wichtige geschichtliche Person wohl bereits an selber Ort und Stelle wie sie bereits gesessen haben mag.

 

Teil VI

Dies sollte ein jähes Ende haben. Denn im Laufe des 18. Jahrhunderts löste sich das Reich auf. Und damit auch der Glanz der in Regensburg Einzug gehalten hatte. Die Französische Revolution begann und mit ihr die Kriege in Europa. Die Front erreichte einmal sogar fast Regensburg. Aus Panik flohen die Reichsgesandten, das florierende Leben brach erneut zusammen. Im Jahr 1800 gelang es den Franzosen, die Stadt Regensburg zu erobern. Regensburg war am Ende, wirtschaftlich und moralisch.

Kurz darauf hin wurde Frieden geschlossen. Frankreich hatte den Krieg gewonnen und dehnte seine Grenzen gen Osten aus. Viele Fürsten verloren dadurch ihr Eigentum. Der immerwährende Reichstag in Regensburg wurde wieder ins Leben gerufen und es kam zu Verhandlungen mit den geschädigten Fürsten. Ergebnis war der sogenannte "Reichsdeputationshauptschluss". Es bedeutete, dass alle kleinen selbständigen Territorien innerhalb des Reiches liquidiert wurden. Darunter Fürstentümer, Klöster, Stifte, Grafschaften und so weiter. Aus der Masse sollten sich dann die Fürsten bedienen und ihren Anspruch erheben. Regensburg wurde zerschlagen und liquidiert, mit drei Klöstern und der freien Reichsstadt. Nun könnte man denken die Masse fiel dem Fürsten von Bayern zu, als einem der Fürsten, die Ansprüche geltend machten. Nein, es kam anders. Regensburg wurde, zusammen mit den daneben existierenden Obrigkeiten, zu einem Fürstentum ernannt, zu einem eigenen kleinen Staat. Erneut ein Glücksfall für Regensburg. Denn der neue Herr, Karl Theodor von Dalberg, erkannte bald den Stillstand und die Rückständigkeit der Stadt aufgrund der langen wirtschaftlichen Krise. Ein Neubeginn war nötig und Regensburg war unter der Hand von Dalberg bald nicht wieder zu erkennen. Er reformierte die Bürgerrechte, erstellte einen Schuldentilgungsplan, ergriff Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft, installierte soziale Einrichtungen für die Ärmsten und Krankenhäuser für die Kranken. Auch kulturell wurde einiges getan, zum Beispiel wurde ein großes Theater erbaut. Mit Auflösen des immerwährenden Reichstages kam jedoch erneut ein Problem auf. Denn mit der Auflösung zogen alle Gesandten und mit ihnen das Geld ab. Dalberg konnte den Fürsten von Thurn und Taxis überreden, in Regensburg zu bleiben, mit samt seiner Gefolgschaft und der Hofhaltung.

Die Pechsträhne sollte jedoch nicht abreißen. 1809 wurde Regensburg, während der Kriege Napoleons zum Schlachtfeld. Ein ganzes Stadtviertel wurde in Schutt und Asche gelegt. Als Verbündeter von Napoleon, forderte der König von Bayern Regensburg. Und er bekam es. Dalberg wurde, ebenfalls als Verbündeter, mit einer anderen Stadt abgespeist. Regensburg fiel nun in den Besitz des Bayerischen Königs und war fortan nicht mehr frei.

Regensburg wurde ausgebeutet vom König und fiel in einen Schlaf. Viele Regensburger Kunstschätze sind heute noch in anderen Städten zu besichtigen. Um die Stagnation der Stadt zu verdeutlichen, Regensburg hatte nach wie vor nur 20.000 Einwohner.
Im 19. Jahrhundert wurden manche Verwaltungsangelegenheiten wieder in die Hände der Stadt gelegt. Das wollten die Regensburger natürlich nutzen. Die Industrie war zu diesem Zeitpunkt ein Thema. Dafür waren jedoch Modernisierungsmaßnahmen notwendig, wofür aber die finanziellen Mittel fehlten. Nur zögerlich gingen die Maßnahmen voran. Immerhin wuchs innerhalb von 100 Jahren die Einwohnerzahl von 20.000 auf 53.000. Im Vergleich zu anderen Städten im Umkreis, wie Nürnberg oder Augsburg und München, jedoch wenig. Da kam der Bayerische Staat zu Hilfe. Er stationierte eine größere Anzahl Soldaten, was auch der wirtschaftlichen Lage Aufschwung gab. Die Industrie siedelte sich tatsächlich mehr und mehr an. Es kam unter anderem eine Zuckerfabrik, ein Kalkwerk, Werften, Druckereien und Verlage und ganz außergewöhnlich, eine Seidenplantage um Seidenraupen zu züchten.

"Wiederholte Aufforderungen, namentlich von Seite einiger meiner früheren Schülerinnen, haben mich bestimmt, meine langjährigen Erfahrungen in der Kochkunst in dem hier vorliegenden Kochbuche niederzulegenů." Regensburg, im November 1866
So steht es im Vorwort des Regensburger Kochbuches von Marie Schandri geschrieben.
Marie Schandri war die Köchin des Hotels Goldenes Kreuz. In ihrem Buch findet man nicht nur Rezepte, nein - auch der Lehrgedanke steht stark im Vordergrund.
So wird darauf hingewiesen, dass eine junge Frau unabhängig von ihren Dienstboten in der Lage sein sollte die Küche zu führen. Ebenso wird der Gesundheitsgedanke groß geschrieben. Sowohl in der Ernährung, als auch in der Sauberkeit. Nicht zuletzt werden Tipps zur möglichst billigsten Art der Zubereitung und Kochkunst gegeben.
Interessant ist, dass kurzgebratene Gerichte als "Beilage zum Gemüse" bezeichnet werden.

Hier ein Original-Rezept aus dem Kapitel "Beilage zum Gemüse":

Abgebräunter Kalbskopf
Der Kalbskopf wird gut ausgewässert, das Auge ausgestossen, dann in Fleischbrühe oder Salzwasser weich gekocht, in kaltes Wasser gelegt, dann auf einem Teller abgetrocknet, von den Knochen befreit, mit Salz und Pfeffer bestreut, in verklopftem Ei und Semmelbrösel umgewendet und in Schmalz auf beiden Seiten hellgelb gebacken.

Guten Appetit!!

 

Teil VII

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kämpfte Regensburg, wie auch der Rest Deutschlands, erst mit den Hintergründen und dann mit den Folgen des ersten Weltkrieges. Inflation, Weltwirtschaftskrise, Nationalsozialismus, Zerstörung und Wiederaufbau. Die Bürger erreichten die Oberhand, und damit auch der Glaube die Mehrheit. In Regensburg zog der Katholizismus wieder ein. Die Zeiten waren schlecht, in Regensburg und überall in Deutschland. Der ideale Zeitpunkt für einen Hoffnungsträger, einen selbsternannten Führer, und mag er noch so zweifelhaft sein.
Nicht zuletzt die wirtschaftliche Bewegung veranlasste die Menschen an diese neue Regierung zu glauben. In Regensburg kam endlich wieder die Wirtschaft in Schwung. Im Zuge der Industriealisierung wurden die Messerschmitt-Werke hier erbaut, die Flugzeugproduktion war damit hier angesiedelt. Viele neue Arbeitsplätze entstanden, neuer Wohnraum musste geschaffen werden und Regensburg wuchs. Eine weitere Brücke über die Donau wurde gebaut, ganze Siedlungen wurden aus dem Boden gestampft. Innerhalb kürzester Zeit zählten die Einwohner die Zahl 90.000. Geld war plötzlich in Hülle und Fülle vorhanden. Das Ziel Hitlers war es, die alten Glanzzeiten Regensburgs wieder aufleben zu lassen. Über die Nebenwirkungen und all das Grausame das einherging muss ich hier nicht berichten. Regensburg stand in alledem dem Rest Deutschland in Nichts nach. Hitler residierte in Regensburg wie damals die alten Könige und Kaiser. Ein Teil der Stadtgeschichte, den man gerne streichen möchte, wenn es nach meiner Meinung geht.
Der Zweite Weltkrieg begann. 1943 wurde Regensburg Ziel eines Luftangriffs. Das Messerschmitt-Werk wurde dabei völlig zerstört. Doch wie durch ein Wunder blieb die historische Altstadt nahezu unversehrt. Ein weiterer Glücksfall war mit Sicherheit, dass nach Ende des Krieges Regensburg in amerikanische Hände fiel. Die Zeiten waren trotzdem sehr schwer.
In den 50er machte sich die Dynamik der Nachkriegszeit und des Aufschwunges bereits bemerkbar. Im restlichen Deutschland etwas früher als in Regensburg, da geographisch betrachtet Regensburg sehr nah am Osten liegt. Mit Anschluss der Stadt an das Autobahnnetz änderte sich das aber und Industrie siedelte sich an. Siemens und BMW sind bis heute wichtige Arbeitgeber der Region. Regensburg befand sich wieder im wirtschaftlichen Aufschwung.
Heute ist der Osten im Zuge der Globalisierung wichtig und wird noch immer wichtiger. Regensburg profitiert als Ost nahe Stadt davon sehr. Immer mehr Industrie siedelte sich an. Aktuell wird Regensburg als Boomtown bezeichnet. Die Einwohnerzahl steigt jährlich um ca. 1000 Menschen. Nicht zuletzt, da Regensburg eine Universitätsstadt ist.
Regensburg steht wieder in der Blüte! 2006 wurde die Regensburger Altstadt zum UNESCO Welterbe erklärt. Dies und die Tatsache, dass Papst Benedict viele Jahre in Regensburg lebte und an der Universität lehrte, bringt den Tourismus auf Hochtouren.
Ich hab es nun tatsächlich geschafft, die fast 2000 jährige Geschichte Regensburgs auf ein paar Zeilen zusammen zu fassen. Dass diese lange und turbulente Zeit auch überall in der Stadt seine Zeugen hinterlässt, ist naheliegend. Die Geschichte lebt in Regensburg. Überzeugen sie sich selbst, tauchen sie ein in die Zeit der Römer und des Mittelalters, es wird sie begeistern.
Vielleicht sieht man sich mal in den Gassen oder in einem der zahlreichen Cafes?

Ich freu mich auf Sie!

© Text und Fotos: Isi